Warum so viele Amazon-Produkte scheitern
Wusstest du, dass rund 90 % aller Produkte, die heutzutage auf Amazon gelauncht werden, innerhalb von drei bis vier Jahren wieder vom Markt verschwinden? Das ist eine alarmierende Zahl – und sie deckt sich mit dem, was viele Seller in der Praxis beobachten. Oft verschwinden nicht nur unbekannte Marken, sondern auch Produkte, die anfangs vielversprechend aussahen.
Vielleicht kennst du das aus deinem eigenen Business: Du setzt hohe Hoffnungen in einen Launch, bist überzeugt, dass das Produkt durchstarten wird – und trotzdem floppt es. Dieses Schicksal teilen viele Amazon-Seller, dass ist zumindest unsere Erfahrung als Amazon Agentur seit 2018.
Warum passiert das? Einer der Hauptgründe ist eine falsche Marktauswahl. Viele Seller wählen ihre Produkte nach Nachfrage aus – und übersehen dabei die Wettbewerbsintensität. Ein hoher Bedarf bedeutet nicht automatisch hohen Gewinn. Oft ist gerade das Gegenteil der Fall.
Um dieses Problem zu lösen, betrachten wir heute ein Modell: die Produktkategorie-Matrix. Sie teilt Märkte in vier Typen ein – Purple Ocean, Blue Ocean, Red Ocean und Yellow Ocean. Mit diesem Framework kannst du gezielter entscheiden, welche Märkte Potenzial haben und welche du besser meidest.
Die Produktkategorie-Matrix: Wettbewerb vs. Nachfrage
Die Matrix basiert auf zwei Achsen:
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Wettbewerbsintensität (von 0 = sehr wenig bis 10 = extrem hoch)
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Nachfrage (von gering bis sehr hoch)
Je nach Kombination entstehen vier Markt-Typen:
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Purple Ocean – hoher Wettbewerb, hohe Nachfrage
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Blue Ocean – niedriger Wettbewerb, hohe Nachfrage
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Red Ocean – hoher Wettbewerb, niedrige Nachfrage
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Yellow Ocean – niedriger Wettbewerb, niedrige Nachfrage
Jeder dieser Märkte hat eigene Chancen und Risiken. Schauen wir uns die Unterschiede genauer an.
Purple Ocean: Der Trugschluss „Viel Nachfrage = Viel Gewinn“
Purple Ocean Märkte sind geprägt von hohem Wettbewerb und hoher Nachfrage. Das klingt auf den ersten Blick attraktiv: große Zielgruppe, riesiges Umsatzpotenzial. Viele Seller denken: „Wenn der Topseller eine Million Euro Umsatz im Monat macht, brauche ich nur 5 % davon, um erfolgreich zu sein.“
Doch die Realität sieht anders aus. Diese Märkte sind hart umkämpft. Die Top-Positionen sind oft von starken Marken besetzt, die bereits jahrelang optimieren, hohe Werbebudgets haben und ihre Prozesse perfektioniert haben.
Beispiele: Kreatin, Kollagen, Probiotika.
Selbst 2026 drängen noch viele Neueinsteiger in diese Kategorien – oft ohne realistische Chance, profitabel zu werden.
Fazit: Purple Ocean Märkte sind meist ein Verlustgeschäft für Neueinsteiger. Die hohen Marketingkosten und aggressiven Preiskämpfe machen es schwer, langfristig Fuß zu fassen. Wer hier bestehen will, braucht Kapital, Know-how und eine starke Differenzierungsstrategie. Für die meisten Seller ist es klüger, diese Märkte zu meiden.
Blue Ocean: Der Traum vom unentdeckten Markt
Blue Ocean Märkte sind die Wunschvorstellung vieler Seller: hohe Nachfrage bei geringem Wettbewerb. Die Theorie klingt verlockend – und es gibt sogar ein bekanntes Buch („Blue Ocean Strategy“), das den Ansatz beschreibt.
Das Problem: Solche Märkte sind extrem selten. Wenn sie entstehen, dann oft nur für kurze Zeit – meist durch externe Hypes.
Beispiele:
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Dubai-Schokolade – vor eineinhalb Jahren kaum bekannt, dann plötzlich monatelang ein Verkaufsschlager.
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Moringa-Kapseln – Trendprodukt im Supplement-Bereich, stark gepusht durch TikTok.
Solche Märkte kann man nutzen, wenn sie einem zufällig auffallen. Aber sie sind nicht planbar – es sei denn, man ist ein Influencer mit enormer Reichweite oder hat Millionenbudget für Marketing.
Fazit: Blue Ocean Chancen mitnehmen, wenn sie sich bieten – aber keine langfristige Strategie darauf aufbauen.
Red Ocean: Sinkende Nachfrage bei hohem Wettbewerb
Der Red Ocean ist der gefährlichste Markt: hoher Wettbewerb, aber sinkende oder geringe Nachfrage.
Oft handelt es sich um Kategorien, die früher beliebt waren (und damals sogar Blue oder Purple Oceans waren), deren Nachfrage aber eingebrochen ist. Trotzdem tummeln sich dort noch viele Anbieter, weil sie die Veränderungen im Markt zu spät erkannt haben.
Beispiel: Lederhüllen für Smartphones.
Vor einigen Jahren boomte dieser Markt. Heute ist das Suchvolumen stark gesunken – während der Wettbewerb hoch geblieben ist. Das Ergebnis: Margen sind extrem niedrig oder gar negativ.
Fazit: Red Ocean Märkte meiden. Sie sind meist ein Ergebnis veralteter Produktstrategien und fehlender Marktanpassung.
Yellow Ocean: Die unterschätzte Goldgrube
Yellow Ocean Märkte sind niedrige Nachfrage + niedriger Wettbewerb. Auf den ersten Blick klingen sie unattraktiv – aber genau hier liegt die Chance.
Diese Märkte sind oft klein, aber hochprofitabel. Da es kaum Wettbewerb gibt, sind Marketingkosten niedrig und Produkte lassen sich schnell profitabel verkaufen. In Kundenprojekten zeigt sich immer wieder: Yellow Ocean Produkte haben prozentual die höchsten Deckungsbeiträge.
Ein Beispiel: Ein Produkt macht 10.000 € Umsatz im Monat, bei 30 % Marge – also 3.000 € Gewinn. Klingt nicht spektakulär, aber mit mehreren solcher Produkte lässt sich ein stabiles, hochprofitables Portfolio aufbauen.
Besonders spannend: Saisonale Yellow Ocean Märkte. Viele Seller meiden sie wegen schwankender Nachfrage. Aber wer mehrere Saisons abdeckt (z. B. Frühling, Sommer, Herbst, Winter), kann diese Schwankungen ausgleichen.
Warum 2026 die Zeit für Yellow Oceans ist
Während viele Seller im Purple Ocean gegeneinander kämpfen oder jahrelang nach Blue Oceans suchen, liegen in Yellow Oceans oft die besten Chancen – besonders für kleine und mittelgroße Seller.
Die Vorteile:
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Geringes Risiko – niedrige Werbekosten und wenig Konkurrenz
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Schneller Break-even – Produkte werden schneller profitabel
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Skalierbarkeit durch Portfolio-Aufbau – mehrere kleine Märkte statt ein riskanter großer Markt
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Potenzial für Hype-Entwicklung – manchmal werden Yellow Oceans über Nacht zu Blue Oceans
Strategie-Tipp: Statt auf einen großen Markt zu setzen, identifiziere mehrere Yellow Oceans und kombiniere sie zu einem diversifizierten Produktportfolio.
Fazit: Wähle deine Märkte strategisch
Der Erfolg auf Amazon hängt nicht nur vom Produkt selbst ab – sondern vor allem vom Markt, in dem du spielst. Die Produktkategorie-Matrix zeigt:
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Purple Oceans – hohe Nachfrage, hoher Wettbewerb – meiden (außer du bist extrem stark aufgestellt).
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Blue Oceans – nutzen, wenn sie zufällig entstehen, aber nicht darauf setzen.
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Red Oceans – meiden, da sie meist rückläufig und unprofitabel sind.
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Yellow Oceans – gezielt suchen, mehrere parallel aufbauen.
Für 2026 gilt: Wer Yellow Oceans identifiziert, kann sich langfristig stabile Gewinne sichern, ohne in ruinöse Preisschlachten verwickelt zu werden.
