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Es gibt eine Sache, die den Erfolg auf Amazon so stark beeinflusst wie keine andere. Und nein, es sind nicht die perfekten Kampagnen, nicht das beste Listing und auch nicht der niedrigste ACoS. Es ist etwas, worüber die wenigsten in der Branche offen sprechen.

Wachstum auf Amazon ist einfacher, als du denkst

Viele Seller und Vendoren glauben, dass ein Umsatzwachstum von 79 % auf Amazon ein Mammutprojekt sei. Etwas, das nur mit einer komplett neuen Strategie, einem riesigen Werbebudget oder einem Agenturwechsel möglich ist. Aber in Wirklichkeit ist das Gegenteil der Fall.

Wachstum auf Amazon ist in vielen Fällen einfach. Was wirklich schwierig ist – und was kaum jemand zugibt – ist, einen rücklaufäufigen Account wieder in die Wachstumszone zu bringen. Genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

Gerade jetzt im Q1 2026 sehen wir das bei unseren Kunden sehr deutlich. Wir betreuen Amazon-Accounts, die Wachstumsraten von 50 bis 80 % im Jahresvergleich aufweisen. Einer unserer Kunden ist umsatzseitig um 79 % und gewinnseitig sogar um 90 % gewachsen. Das klingt beeindruckend – und das ist es auch. Aber es erzählt nicht die ganze Geschichte.

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Die unbequeme Wahrheit hinter den Wachstumszahlen

Warum wachsen manche Amazon-Accounts mit vergleichbar wenig Aufwand, während andere sich die Zähne ausbeißen, um im Jahresvergleich gerade eben noch auf dem gleichen Niveau zu bleiben?

Der Hauptgrund, den dir die wenigsten Experten offen und ehrlich sagen werden, ist simpel: Es gibt einen massiven Nachfrageschub für die angebotenen Produkte.

Das bedeutet konkret: Wenn die Nachfrage in deiner Produktkategorie auf Amazon um 50 % steigt, dann ist Wachstum fast unvermeidlich – vorausgesetzt, du machst keine groben Fehler. Du schwimmst mit dem Strom. Der Markt zieht dich mit nach oben.

Und genau das passiert gerade in vielen Kategorien. Saisonale Effekte, gestiegene Online-Kaufbereitschaft, verschobene Kaufzyklen – all das sorgt dafür, dass bestimmte Produktkategorien regelrecht explodieren. Und die Seller, die zufällig in diesen Kategorien unterwegs sind, feiern ihre Wachstumszahlen.

Die wichtigste KPI, die kaum jemand trackt

Die wahrscheinlich wichtigste Kennzahl auf Amazon ist nicht dein ACoS, nicht dein TACoS und auch nicht dein Umsatz. Es ist die Nachfrage nach deiner Kategorie.

Klingt banal? Ist es aber nicht. Denn die meisten Seller schauen ausschließlich auf ihre eigenen Zahlen, ohne sie in Relation zum Gesamtmarkt zu setzen. Wenn dein Umsatz um 30 % gestiegen ist, die Kategorie aber um 60 % gewachsen ist, hast du in Wirklichkeit Marktanteile verloren. Du bist geschrumpft – obwohl deine Umsatzkurve nach oben zeigt.

Umgekehrt gilt: Wenn dein Umsatz stagniert, die Kategorie aber um 20 % eingebrochen ist, hast du in Wirklichkeit massiv Marktanteile gewonnen. Dein Account performt deutlich besser, als es die reinen Umsatzzahlen vermuten lassen.

Deshalb empfehlen wir jedem Amazon Seller, regelmäßig folgende Fragen zu beantworten: Wie entwickelt sich die Nachfrage in meiner Kategorie? Wie groß ist mein Anteil an der gesamten Kategorie-Nachfrage? Steigt oder sinkt meine organische und bezahlte Sichtbarkeit relativ zum Wettbewerb?

Erst wenn du diese Fragen beantworten kannst, verstehst du wirklich, ob deine Strategie funktioniert – oder ob du einfach nur vom Markt mitgezogen wirst.

Wenn der Rückenwind fehlt: Das wahre Testfeld

Was hingegen extrem schwer und anstrengend ist: wenn die Nachfrage nach deinen Produkten im Jahresvergleich einbricht und du trotzdem versuchst zu wachsen. Das ist fast unmöglich – zumindest ohne neue Produktkategorien, Internationalisierung oder eine komplett neue Positionierung.

In solchen Situationen zeigt sich, wie gut eine Amazon-Strategie wirklich ist. Hier trennt sich gutes Account-Management von reinem Glück. Denn wenn der Markt schrumpft, brauchst du echte Hebel: bessere Conversion-Rates, effizientere Werbeausgaben, stärkere organische Rankings und eine Marke, die Kunden aktiv suchen.

Genau hier sehen wir in der Praxis die größten Unterschiede zwischen Accounts, die professionell betreut werden, und solchen, die auf Autopilot laufen. Im Wachstumsmarkt kann fast jeder mithalten. Im schrumpfenden Markt überleben nur die, die ihre Hausaufgaben gemacht haben.

Case Study: 79 % Umsatzwachstum – aber was steckt dahinter?

Auch bei unserem aktuellen Kundencase, bei dem der Account umsatzseitig um 79 % und gewinnseitig um 90 % gewachsen ist, müssen wir ehrlich sein: Ein wesentlicher Wachstumstreiber war der außergewöhnlich kalte Winter Anfang 2026. Dieser saisonale Effekt hat die Nachfrage nach den Produkten unseres Kunden massiv angetrieben.

Heißt das, dass die Optimierungsmaßnahmen keine Rolle gespielt haben? Natürlich nicht. Die Kampagnenstruktur, die Listing-Optimierung, die Budgetallokation – all das hat dazu beigetragen, dass der Kunde den Nachfrageschub optimal nutzen konnte. Ohne diese Grundlage wäre ein Großteil des zusätzlichen Traffics verpufft.

Aber es wäre unehrlich zu behaupten, dass 79 % Wachstum allein durch Optimierung entstanden ist. Und genau diese Ehrlichkeit fehlt in der Branche oft.

Marktanteile statt Umsatz: Die bessere Erfolgsmessung

Wenn du wirklich messen willst, ob deine Amazon-Strategie funktioniert, dann schau nicht nur auf den Umsatz. Schau auf deine Marktanteile.

Die Veränderung der Marktanteile ist die aufschlussreichste Kennzahl, um den tatsächlichen Effekt von Optimierungsmaßnahmen zu bewerten. Denn Marktanteile sind unabhängig davon, ob der Gesamtmarkt wächst oder schrumpft. Sie zeigen dir, ob du besser oder schlechter performst als dein Wettbewerb.

Ein Seller, der in einem um 40 % schrumpfenden Markt nur 10 % Umsatz verliert, hat hervorragende Arbeit geleistet. Ein Seller, der in einem um 80 % wachsenden Markt „nur“ 30 % zulegt, hat massiv Marktanteile verloren – auch wenn sich die Zahlen auf den ersten Blick gut anfühlen.

Was du als Amazon Seller jetzt tun solltest

Statt dich von absoluten Wachstumszahlen blenden zu lassen, empfehlen wir dir folgende Schritte:

Erstens: Analysiere die Nachfrageentwicklung in deinen Kategorien. Tools wie Helium 10, Jungle Scout oder die Brand Analytics in Seller Central helfen dir dabei, die Kategorie-Trends zu verstehen.

Zweitens: Berechne deine Marktanteile. Setze deinen Umsatz in Relation zum geschätzten Gesamtmarkt deiner Kategorie. Vergleiche das quartalsweise und im Jahresvergleich.

Drittens: Trenne externe Effekte von internen Maßnahmen. Wenn dein Wachstum primär durch Nachfragesteigerung getrieben ist, ist das kein Grund zur Selbstzufriedenheit. Nutze den Rückenwind, um deine Position für schwächere Phasen zu stärken.

Viertens: Bereite dich auf Gegenwind vor. Kategorien, die jetzt boomen, können morgen stagnieren. Diversifikation über neue Produktlinien, internationale Marktplätze oder eine stärkere Markenpositionierung sind die besten Absicherungen.

Fazit: Sei ehrlich zu dir selbst

Die Amazon-Welt ist voll von Screenshots mit beeindruckenden Wachstumszahlen. 50 %, 80 %, manchmal sogar dreistellig. Aber hinter den meisten dieser Zahlen steckt vor allem eines: ein wachsender Markt.

Das soll die Leistung von Sellern und Agenturen nicht schmälern. Gute Arbeit ist gute Arbeit. Aber wer langfristig erfolgreich auf Amazon sein will, muss ehrlich zu sich selbst sein. Die eigene Performance im Kontext des Gesamtmarktes zu bewerten, ist der erste Schritt zu einer wirklich nachhaltigen Amazon-Strategie.

Denn am Ende des Tages ist nicht der Seller am erfolgreichsten, der im boomenden Markt die höchsten Wachstumsraten feiert. Sondern der, der auch im schwierigen Marktumfeld seine Marktanteile verteidigt und ausbaut.

Tobias Dziuba

Mein Name ist Tobias und ich bin Gründer & Geschäftsführer der Amazon Agentur Adsmasters GmbH mit Sitz in Düsseldorf.

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